Und ich frage mich wieder einmal:
Wer bin ich überhaupt?
Es wie das Gefühl nach einer Trennung von einem Partner. Wer bin ich, ohne ihn? Wer bin ich, ohne seine Glaubenssätze, ohne das, was er in mir sah? Wer bin ich, wenn er nicht an meiner Seite ist?
Nur ist es kein Partner der geht, es ist anders und doch gleich.
Es ist Sommer, bald wandern wir aus. Mein Leben hier in der Schweiz zieht immer wieder an mir vorbei. Ich sehe meine Freundschaften, meine Familie, wo ich gearbeitet habe und meine Kindheit. Ich sehe, erkenne und fühle so viele Situation noch einmal.
Als wir uns vor zwei Jahren entschieden, auszuwandern, begegneten mir einzelne traumatische Erlebnisse. Jetzt ist es wie eine Rückschau.
Ich darf noch einmal alles fühlen, lösen, transformieren und dann freier weitergehen.
Ich verlasse mich nicht mehr, wenn etwas Schweres auftaucht. Früher hätte ich das vielleicht getan und mich abgelehnt. Jetzt gebe ich mir einfach Raum. Also schaue ich mir die Szenen an, fühle, vergebe und weine, sehr viel. Ich erkenne Blockaden, Glaubenssätze, Muster und angeeignetes Verhalten und darf lösen.
Nebst dem weinen, schlafe ich viel- mein Körper nimmt sich die Ruhe, die er braucht.
Das nicht ausprechen dürfen meiner Wahrheit, als Kind zeigt sich nun auch körperlich. Während einer Sommergrippe verschwindet für ein paar Tage meine Stimme. Ich habe auch gar keine Lust, zu sprechen und spüre, wie anstrengend es war, nicht ganz angekommen zu sein und nicht meine Worte zu nutzen. Es schien, als ziehe sie sich zurück, um sich selbst von allem zu lösen und sich neu zu finden.
Ich transformiere nicht zum ersten mal. Aber ich begegne mir selbst zum ersten mal in dieser Tiefe, in dieser Wahrheit, mit dieser Liebe. Mit dieser Liebe, dass ich fühlen, loslassen und frei weitergehen darf. Mit der Erlaubnis, dass ich abschliessen darf.
Ich bleibe und höre mir zu.
Wer bin ich?
Wer bin ich, ohne die Blockaden und Glaubenssätze?
Wer bin ich, ohne die Begrenzungen, die ich gelernt habe?
Wer bin ich, ohne die scheinbar haltenden Mauern?
Sensibel.
Freier, ganz plötzlich. Es fühlt sich erleichternd an und gleichzeitig riesengross.
Ich erkenne viele Zusammenhänge. Ich fühle eine Ruhe und eine Weite, Ankommen und Freiheit.
Ich spüre ein tiefes Wissen, dass ich einfach sein darf und alle Zeit der Welt habe, um neu und ganz bei mir anzukommen.
Egotode und grosse Ent-wicklungen kenne ich. Meistens hatte ich zwischen den Wandeln mehr Zeit- manchmal soviel, dass ich gespannt auf den nächsten wartete.
Jetzt ist es viel auf einmal und alles, was ich davor schon lösen und lernen durfte, hilft mir sehr.
Egotode empfinde ich gleichzeitig sehr traurig underleichternd. Eben wie eine Partnerschaft, die zu Ende geht. So geht auchbeim Egotod eine Partnerschaft zu eigenen Anteilen zu Ende. Es sind Anteile, die mich schon lange begleitet haben, Anteile, die ich kenne und mit denen ich viel Erlebt habe.
Der Rückzug von dem was nicht mehr passt und das Loslassen in dieser Tiefe sind richtig heilsam. Gleichzeitig fühle ich mich durchdrungen vom Neuen, das seinen Platz in mir findet und einnimt.
Die Stimme ist wieder da aber mein Bauch fühlt sich plötzlich sehr sensibel an. Ganz viel, wird auch hier plötzlich gelöst, transformiert und endlich verdaut.
Über die Chakraebene fühlt es sich an, als würden mein Hals und mein Bauch, mit den zugehörigen Chakren, meinen Ausdruck von meinem eigenen Wert und meinem Bewusstsein neu aufbauen.
Spannend und doch komisch, weil ich eine Weile gar nicht mehr erkenne, wie ich diese neue Ausrichtung verkörpern soll. Alles darf mit Vertrauen und Zeit seinen neuen Platz einnehmen.
Wer bin ich?
Vielleicht genau die, die immer da war. Nur ohne die Pflicht, etwas anderes sein zu müssen.
Der erste Ort, an dem ich bleiben darf, bin ich selbst.
Es fühlt sich an wie Herbst. Nicht weil etwas verloren geht, sondern weil sich etwas vollendet. Ruhig, still und wunderschön. Ich muss nichts festhalten, beschleunigen oder beweisen.
Das Leben bewegt sich. Und ich bewege mich mit, eingehüllt in einen warmen Pullover, schau ich mir meine Rückschau an.
Ich lerne mich selbst neu kennen. Frei, wild, natürlich und voller Liebe.
Von Herz zu Herz, es ist möglich und der Wandel ist da, genau jetzt.
Ramona